Sentiment-Freiheit, Entgrenzung, Möglichkeit
Sentiment
Teil I
„Ich frage mich, warum ich einen Mann lieben sollte. In romantischen Beziehungen zwischen Frauen und Männern verlieren Frauen stets. Und zwar verlieren sie im Grunde alles. Sie opfern ihre Unabhängigkeit, machen sich finanziell abhängig, werden sexuell ausgebeutet, ohne selbst auf ihre Kosten zu kommen und müssen sich sogar vor den Fäusten des Mannes fürchten. Weshalb sollte ich das als erstrebenswert betrachten? Nein. Ich will keinen Mann. Ich habe meinen Beruf, der die Gesellschaft weiterbringt und mir Bedeutung beschert. Ich wohne in meiner eigenen Wohnung und umgebe mich mit Dingen, die mir gefallen. Allein, unabhängig, glücklich. Sex habe ich mit Männern, die ich will. Für weitere Dinge brauche ich sie nicht. Mein Leben und meine Liebe teile ich mit Freunden. Jene Frauen, die ich bewundere, lebten allesamt allein. Die kanadische Autorin Linda Smith im Jahre 1896. Die französische Sängerin Juliette Martin, 1970. Die spanische Schuldirektorin Marcella Vagrant, 2004. Und viele mehr. Sie alle sprachen davon, dass sie sich freier, schöner, ja berauscht fühlten, seit sie ihre romantischen Beziehungen hinter sich gelassen hatten. Sie stiegen zu Höchstleistungen auf, waren gesünder, sexuell aktiver. Die deutsche Philosophin und Influencerin Henriette Glas setzte sich sogar öffentlich dafür ein, feste Paarbeziehungen grundlegend auf den Prüfstand zu stellen. Und erst vor kurzem, 2023 schrieb die Kolumnistin Susan Night: ‚Wozu brauchen wir noch Männer?‘ Genau das ist auch meine Frage. Und mittlerweile weiß ich sie zu beantworten. Männer sind so lange zu gebrauchen, wie sie mir guttun (und viele kriegen nicht einmal das hin). Danach jedenfalls komme ich allein mit meinen Freunden und meiner Wahlfamilie zurecht. Und bei Bedarf suche ich mir kurzfristig einen neuen Mann. Die stehen ja ohnehin Schlange.“
-Bericht einer Frau, 2026
Kapitel 1
„Bei Sonnenuntergang saßen wir auf dem Balkon, du und ich, da ging er vorüber unten am Strand, ohne aufzublicken, und ich war beglückt, ihn zu sehen. Dir aber strich ich über die Stirne und küsste dich aufs Haar, und in meiner Liebe zu dir war zugleich viel schmerzliches Mitleid.“ (Traumnovelle, Arthur Schnitzler)
Auf der weißen Fassade stand in güldenen Lettern Garten Eden – Heißen Sie die Unendlichkeit willkommen.
Verheißungsvoll. Konrad verspürte ein leichtes Stechen in der Brust, als er daran dachte, was vor ihm lag. Gewissheit. Gefolgt von grenzenloser Ungewissheit. Lautlos öffneten sich die automatischen Glastüren und ließen ihn ein. Es war still wie in einer Totenhalle, auch wenn Konrad wusste, dass dieser Eindruck von seinen Gefühlen heraufbeschworen wurde. Dennoch lastete die Atmosphäre so schwer auf ihm wie die letzten 19 Jahre seines Lebens. Ein Gefühl des Unbehagens stieg in ihm auf, zerrte an seinen Eingeweiden und fraß sich seine Brust hinauf. Er atmete schwer. Der riesige, leere Raum, in dem er sich befand, ließ ihn sich klein und unbedeutend fühlen. Ihn irritierte die Geometrie des Ortes, auch wenn er sie nicht hätte beschreiben können. Desorientiert, er fühlte sich desorientiert.
„Willkommen, Reisender“, hauchte da eine vertraut wirkende Stimme von irgendwoher. Seltsam, dachte Konrad und kniff die Augen zusammen. Vor ihm schälte sich die Gestalt einer jungen Frau aus dem Dunkel der Halle und sie lächelte Konrad so warmherzig an, dass für einen Moment seine Gedanken ausgelöscht wurden. Dieses Gefühl war ihm zuletzt vor mehr als 20 Jahren beschert gewesen, damals, in seinem ersten Leben. Mit einem Mal schickte er sich an, dieser Frau überall hinzufolgen. So hoffnungsvoll hatte er sich seit Ewigkeiten nicht mehr gefühlt. Alle negativen Gefühle waren wie weggefegt.
„Danke“, murmelte er aus einem Impuls heraus. Er rieb sich leicht über die Stirn. Ein wenig benebelt fühlte er sich jetzt. Musste die Aufregung sein. Jemals wieder eine Frau, wenn auch eine künstliche, gesehen zu haben! Langsam schlurfte er hinter diesem wunderbaren Geschöpf her und sah sich dabei die monumentale Halle an, die nun nicht mehr leer und seltsam war, sondern angefüllt mit Klängen und Farben und Dingen, für die Konrad keinen Namen hatte.
„Folge mir“, sagte die Frau sanft. „Ich führe dich in dein Zimmer. Es ist alles bereit. Du bist bereit.“
Konrad lächelte schmerzlich. Ja, das war er wohl. Sein Körper schmerzte so sehr von der ganzen Arbeit. Wie hatte er es erwartet, all die Jahre. Zurückzukehren in die Welt der Jugend, ein letztes Mal, nur als Zuschauer zwar, hinauslinsend aus einem trüben Fenster, und doch, vielleicht würde ihm ein Anblick noch vergönnt sein. Vielleicht ließen sie ihn nur ein einziges Mal seinen Sohn wiedersehen.
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Der Titel der Masterthesis lautete „Sexuelle Konfusion zwischen gesellschaftlich verordneter Polygamie, institutionalisierter Begierde und historischer Monogamie – warum die Familie scheiterte“.
Professor Dr. Matthias Gastor las den sperrigen Titel mehrere Male, bevor er stirnrunzelnd das Inhaltsverzeichnis anschaute und das Exposé überflog. Ben sah seinem Professor mit ausdrucksloser Miene zu. Die fliehende Stirn und der mit durchaus beeindruckender Präzision gestutzte, graue Backenbart ließ Gastor wie einen Geistlichen aus archaischen Zeiten wirken. Mit seinen 37 Jahren hätte Ben wahrscheinlich schon seine zweite Promotion vor dem Prüfungsausschuss verteidigen sollen, doch sein Leben war bisher unstet und rastlos verlaufen, geprägt von wechselnden Studiengängen und Arbeitsverhältnissen sowie Beziehungen. Letzteres war natürlich im Rahmen der gesellschaftlichen Konventionen die Normalität. Ben allerdings haderte mit dem Leben, das er zu führen hatte. Seit einigen Jahren schon fragte er sich selbst, was ihn so sehr an seinem Leben beunruhigte, am Leben der Menschen um ihn herum. Er fühlte sich, als wäre er aus einem Traum aufgewacht, oder würde mittlerweile einen anderen Traum träumen als die Leute in seiner Umgebung. Er wusste nur noch nicht, was dies ausgelöst hatte.
„Was meinen Sie denn mit institutionalisierter Begierde?“ fragte Professor Gastor und rieb sich über die feuchte Stirn.
Ben zog die Augenbrauen hoch. „Naja“, sagte er gedehnt. „Der Kauf von Vaginas – künstlich oder echt – mit Steuergeldern zwecks Befriedigung grundlegender Bedürfnisse der Bevölkerung. Oder wie nennen Sie das? Natürlich betrifft das nur jene unteren Schichten, die…sie wissen schon. Keinen Zugang zum Club der Schönen haben.“
Der Professor schob sich seine altmodische Brille die Nase rauf und schaute Ben an, als ob dieser auf dem Urknall-Modell beharren würde. Gastor war 48, soweit Ben wusste, und hatte deshalb noch zwei gute Jahre vor sich. „Monströse Schwänze werden natürlich auch gekauft“, fügte er beiläufig hinzu und betrachtete Gastors Mimik, die sich zwischen Irritation und Verblüffung bewegte.
„Aber das…“, setzte Gastor an.
„…nennen wir Sexuelle Grundversorgung, selbstverständlich“, unterbrach ihn Ben. „Jeden Monat zwei bis drei. Knapp 80% aller Männer zwischen 20 und 49 Jahren aus den unteren Schichten nehmen zwei bis drei pro Monat in Anspruch.“
Ben beugte sich vor und tippte sacht auf seine Mappe. „Erholungskuren auf Ganymed würden auch bezahlt, vier pro Jahr. Die Auslastungsquote da ist aber wesentlich geringer als bei den Vaginas und Schwänzen. Woran mag das wohl liegen? Bezahlter Luxusurlaub auf einem wunderschönen Mond wird verschmäht zugunsten von…“
Gastor sah konsterniert auf. „Nun ja, aber so schreibt es das GSG nun einmal vor“, sagte er leicht verwirrt. „Worauf wollen Sie denn überhaupt hinaus? Dass es vorher besser war?“
Ben wich dem Blick seines Gegenübers aus. „Das habe ich nicht gesagt.“
„Warum die Familie scheiterte“, las der Professor laut vor. „Das ist…Familien sind ein Relikt, und das wissen Sie. Es hat nicht mehr funktioniert.“
„Ja, das weiß ich.“
Entnervt nahm Gastor einen Schluck aus seinem Weinglas. „Sie wollen, dass wir die Institution der Familien wieder etablieren?“
„Ich bin der Meinung, dass sich ein Blick zurück lohnt. Als Vergleich.“
Bevor Gastor sich zu einer Antwort ansetzen konnte, klopfte es an der Tür.
„Ja!“, rief er unwirsch.
Ein blasses Gesicht mit zwei Kulleraugen und einer lockigen, roten Mähne erschien im Türspalt. Ein Model VagDrei, das erkannte Ben sofort. Er war mit allen Modellen der Grundversorgung vertraut. Er war in der Fabrik gewesen. Seufzend rieb er sich die Augen und stand auf. „Dann viel Spaß, Herr Professor. Wir machen am besten einen neuen Termin aus, was meinen Sie?“ Ben packte seine Aktentasche, drehte sich auf dem Absatz herum und drängte sich an der jungen Frau vorbei, die ihn verschämt anblickte, dann aber leise die Tür hinter ihm schloss.
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Die Abendsonne hüllte die weißen, geschwungenen Hochbauten der Universität in ihre flammende Umarmung. Ein leichter Wind strich durch die Straßen und über Wege, trug die faustgroßen, blauen und roten und gelben Sporen aus den Silos mit sich und besprenkelte manche noch unbefleckte Wand mit bunten Farbmustern. Die riesige Pilzkolonie ragte über der Stadt auf wie ein merkwürdig geformtes Bergmassiv, umschwärmt von Myriaden Bynen und überspannt von der nur gelegentlich unter einer Gammaentladung auflodernden Holomatrix, die mit ihren Abtastern das Ökosystem der Stadt überwachte. Die einzelnen, gewaltigen Stämme der Pilze waren durch ein Geflecht aus klebrigem, weißen Stoff verbunden, das Spinnennetzen ähnelte, jedoch zähflüssig schimmerte. Ben passierte auf seinem Weg zur Uni oder zurück nach Hause jedes Mal den einzigen noch lebenden Baum der Stadt, eingezäunt und bewacht, mitten auf dem Platz der Heiligen Mira. Die grüne, saftige Krone der alten Linde beschattete eine ganze Heerschar von Untertanen, die nicht anders konnten, als das altehrwürdige Lebewesen anzuhimmeln – Sträucher, Gräser, Beete voller Blumen, sie alle hatten sich zur ewigen Andacht um die alte Linde gruppiert. Ben sog die süßliche Abendluft ein. Auf dem Platz saßen überfall verteilt Studentinnen und Studenten, zu kleinen Grüppchen zusammengeballt. Zwei Flugzeuge zogen lautlos über der Holomatrix am Wolkenlosen Himmel entlang und noch darüber sah Ben das Antriebsbrennen eines Mondpendlers, der sich wahrscheinlich nach Ganymed oder Europa aufmachte, vielleicht auch nach Enceladus oder Titan. Auf dem Campusgelände herrschte noch rege Betriebsamkeit, hunderte Menschen schlenderten umher oder eilten von einem Institut zum anderen. Eine Gruppe junger Leute kam lachend und schwatzend aus dem Gebäude der Fakultät für Historische Raumzeitschwingung, die Erleichterung in die geröteten Gesichter gezeichnet, vielleicht wegen einer bestandenen Klausur oder schlichtweg, weil der Abend sich nun endlich anschickte, die Arbeit gegen Vergnügen zu tauschen. Ben warf einen Blick auf sein Fenster und klickte sich durch die verschiedenen Nachrichten – die einen von Arbeitskollegen, die anderen von Freunden und manche auch von Lisa und Julia. Mit mäßigem Interesse überflog Ben die Nachrichten von der Arbeit im Silo und schrieb seinen Freunden rasch zurück. Dann widmete er sich den beiden derzeitigen Frauen in seinem Leben. Lisa erhielt den Großteil seiner Aufmerksamkeit und Wortgewalt, während er nicht wusste, was er Julia gerade schreiben sollte. Wahrscheinlich war sie ohnehin beschäftigt mit ihrer Arbeit in der Aufzuchtstation. Ben beneidete seine Sekundärpartnerin nicht gerade um ihren Job.
Heute kommt Dorian!, ploppte gerade eine weitere Nachricht von Lisa auf.
Im wahrsten Sinne des Wortes, dachte Ben.
Lisa schenkte ihm Vertrautheit, Beständigkeit und Geborgenheit, meistens jedenfalls. Der Gedanke an Dorian durchzuckte Ben für den Bruchteil einer Sekunde, genügte jedoch, um einige schmerzhafte Stiche in seinem Magen auszulösen. Dorian war Lisas Sekundärer, der sie in höchste orgastische Ektasen zu treiben vermochte – ganz im Gegensatz zu Ben, dem derartiges seit einiger Zeit nicht mehr wirklich vergönnt war. Aber dafür gelang ihm das ja bei Julia, hin und wieder jedenfalls. Die wiederum ihre ganze sonstige Aufmerksamkeit ihrem Primären Andreas schenkte. Ben schüttelte innerlich den Kopf und seufzte. Viele Frauen und Männer blieben heutzutage allein, konnten weder auf Primäre oder Sekundäre Partner zurückgreifen, um ihr Leben zu verbringen. Die meisten Frauen sahen zu, dass sie sich nur die besten Männer an Land zogen, und das hieß nun einmal Vollausstattung – Humor, angesehener Job und gutes Aussehen bildeten dabei nicht einmal die Hälfte der Anforderungen ab. Erwartet wurden emotionale Stabilität genauso wie eine organisierte Haushaltsführung und die richtige, politische Haltung, Einsatz für den Umgang mit der tödlichen Klimaveränderung, dazu handwerkliches Geschick – und nicht zuletzt umfassende Kenntnisse über die schwankenden Bedürfnisse der Frauen. Viele Männer konnten diese Anforderungen nicht erfüllen und blieben deshalb allein. Und genau diese Lücke suchte die Sexualgesundheitsvorsorge der Regierung des Städtebundes zu schließen. Niemand sollte sexuell unerfüllt bleiben – und jedenfalls nicht allzu neidvoll oder gar missgünstig auf diejenigen Glücklichen blicken, die sich gleich mit mehreren Menschen vergnügen durften.
Hast du eine halbe Stunde Zeit für mich?, ploppte da eine Nachricht von Julia auf.
Ben antwortete bin gleich bei dir und machte sich flugs auf den Weg zu Julias Wohnung, denn auch, wenn er begonnen hatte, mit verschiedenen Aspekten seiner Lebensgestaltung zu hadern, konnte er manchen Dingen dann doch nicht widerstehen.
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Er tastete sich ganz langsam vorwärts, strich über die weichen Schenkelinnenseiten, fuhr die Vulva entlang, streichelte die rosa gefärbten Lippen. Ihre kleine Knospe schloss er mit zwei Fingern ein, strich um sie herum, drückte sie leicht, bis er sich offenbar nicht mehr zurückhalten konnte und sie in den Mund nahm. Er saugte und lutschte daran, seine Zunge glitt immer wieder über die winzige, für ihn scheinbar so verlockende Frucht und sie sah, wie sein Schwanz sich zitternd erhob und schließlich hart wurde. Mit dem Zeigefinger klopfte er auf diese bestimmte, kleine Stelle, und ein leises Stöhnen war sein Lohn. Seine Zunge wanderte bald auch über ihre feuchten Schamlippen, leckte über ihr kleines Loch, in das er bald hineinstoßen würde, sobald er es nicht mehr aushielt oder sie ihm die Anweisung gab. Sie räkelte sich auf dem Bett, fuhr mit den Händen über ihre Brüste und seufzte entspannt. Sie glaubte regelrecht zu spüren, wie er sich gierig in seinen Genuss hineinsteigerte, ihn auf beinahe unbeholfene, ehrliche Art und Weise zelebrierte. Ihr war, als ob er die glitschigen Geräusche genoss, ihren Duft einsog, die Bewegungen ihres Beckens betrachtete und sich am Seufzen und Stöhnen aus ihrem Mund erregte. Sein halbes Gesicht war jetzt nass von der Flüssigkeit aus ihrer Vagina, doch er wollte immer mehr, er wollte sie trinken, essen, einfach alles. Er ließ seine Zunge weiter um ihre Knospe kreisen und schickte seine Hände auf Wanderschaft, über ihren Bauch, an ihrer Taille entlang, bis hoch zu ihren weichen Brüsten, auf denen er seine Finger eine Weile ruhen ließ. Dort berührten sich ihre Hände sacht.
„Steck ihn rein, Ben“, hauchte ihre Stimme dann unter einem kaum verhohlenen Aufstöhnen. Sein Schwanz bebte vor Erwartung, längst hart und groß, sie sah immer wieder Wellen von Erregung durch ihn hindurch zucken. Seine Eichel drängte rücksichtslos in ihre Scheide und Julia stöhnte dunkel und kehlig auf, packte Bens Pobacken und zog ihn tief in sich hinein. Rasch trafen sich ihre Lippen, Julia küsste ihn stürmisch, ihre Zunge glitt an seinen Zähnen entlang, vorne, an den Seiten, überall. Ben stieß heftig in sie, immer bis zum Schaftende, mit der ganzen Länge hinein, und wie immer brauchte er scheinbar ein oder zwei Minuten heftiges, lautstarkes hineinhämmern, bevor er sich wieder etwas beruhigen konnte und seine Bewegungen variierte. Er füllte sie vollständig aus, und sie liebte es, seinen Schwanz mit einer leichten Anspannung ihrer Beckenmuskulatur greifen zu können. Julia zog ihn zu sich herunter, wollte seinen Körper auf ihrem Schamhügel spüren, während er sie fickte. Sein dunkelbraunes Haar war frisch gewaschen, glatt und dicht, fest und rau. Sie fuhr mit ihren Händen hindurch, klammerte sich daran, strich bald seinen Hals hinunter und zu seinen Schulterblättern. Sie spürte, wie sein Körper arbeitete, auf und ab, immer wieder, seine Muskeln unter ständiger Anspannung. Für eine Weile legte sie die Hände auf seinen Hintern, fühlte seine Muskelkontraktionen und griff beherzt zu. Schweiß rann an ihrer beider Schenkeln herab, vermischte sich, Julia schmeckte Salz auf ihren Lippen, als Ben sie wild und unkontrolliert küsste. Dann plötzlich zog er sie von den Kissen herunter, legte eines ihrer langen Beine über seine Schulter. Sein erigierter Schwanz berührte ihren Schenkel, dann ihre Klitoris und sie schloss kurz ihre Hand um ihn, spürte die harte Schwellung, das Pulsieren des Blutes im Schaft. Sie hätte gute Lust gehabt, ein wenig seine Eichel zu lutschen, doch für so etwas würde später noch Gelegenheit sein. Seine Hände berührten ihre vollen Brüste, spielten mit ihren Nippeln.
„Fick mich hart“, befahl sie schlicht und schaute ihm direkt in die Augen, „steck deinen Schwanz tief in meine Nasche! Peug mich!“
Ein undefinierbarer Laut drang aus seinem Mund und schon verschwand sein Schaft wieder in ihr. Halb aufgebäumt knallte er wie besessen bis zum Anschlag in ihr nasses Loch, sodass die gesamte Wohnung vom aufeinander klatschen ihrer beider Körper erfüllt war. Ihre Schenkel waren mittlerweile klitschnass. Als er sie schließlich von hinten nahm, glaubte sie zu spüren, wie sein Grasch schon bald die Ketten seiner Leidenschaft abschütteln und seinen Samen in sie schießen würde. Ein süßes Gefühl begann, sich in ihr auszubreiten. Er verlangsamte seine Bewegungen, wohl damit er jetzt nicht in ihr kam und machte eine entsprechende Andeutung. Doch sie hatte heute noch andere Pläne.
„Komm in mir!“ rief sie, „schieß deinen ganzen Saft in mein Loch!“ Es war nicht schwierig, ihn zu kommandieren, seine Lust zu leiten und ihn sogar auf Abruf abspritzen zu lassen. Ein paar schlichte, vulgäre Ausdrücke, einige Bewegungen, schon spürte sie das Zucken seines Schwanzes in ihr. Er schrie heftig, als er kam, drückte seinen Schaft so tief er konnte in sie hinein, während er seine Zehen im Bettlaken vergrub. Er schob sie dabei sogar etwas vor sich her, eine Hand auf ihrem Arsch, die andere in ihrer langen Haarpracht vergraben, die über ihren Rücken floss.
„Gleich falle ich aus dem Bett“, lachte sie und rollte sich flink zur Seite. Aus einer viereckigen, mit winzigen Kranichen gespickten Box auf dem Nachttisch nahm sie schnell einige Tücher und hielt sie ihm hin, während sie sich selbst ein paar zwischen die Beine klemmte. Sie hüpfte rasch ins Bad und während sie pinkelte, summte sie ihr Lieblingslied Auf dem roten Diamanten.
Sie wollte offensichtlich noch mit Justin oder Mumbak vögeln, sobald er selbst sich wieder auf den Weg gemacht hatte, dachte Ben. Selbstverständlich war das völlig in Ordnung. Ben wusste ja, dass Julia ihren Orgasmus lieber so lange wie möglich aufsparte. Julia hatte ihm mal erzählt, dass ihre Orgasmen umso heftiger ausfielen, je länger sie sie hinauszögerte. Ben erreichte bei ihr nur selten dieses Ende der Fahnenstange und immer dann, wenn dies doch einmal gelang, dachte er stets, dass sie sich am gleichen Tag vorher von anderen Männern hatte beglücken lassen, angefangen wahrscheinlich bei ihrem Primären Andreas. In diesen Momenten wusste Ben sich nie zu entscheiden, ob er die Vorstellung erregend, irritierend oder abstoßend fand. Er wischte sich ab und stand ebenfalls auf.
„Alles okay, Schatz?“, rief Julia über das Geräusch der Toilettenspülung hinweg.
„Klar“, meinte er. „Ich bin nur in Gedanken schon wieder bei meiner Masterthesis. Was ist mit dir?“
Sie machte sich schon wieder zurecht, ihr nackter Körper schien nur so vor Energie zu vibrieren.
„Hast du…?“ Er strich sacht über ihren noch schweißnassen Rücken, berührte ihr welliges, braunes Haar.
Sie tätschelte ihm die Wange. „Jaa“, gurrte sie mit glänzenden Augen. „Dreiphase. Das habe ich mir bei all der Arbeit verdient.“ Ihr Blick wanderte wieder in den Spiegel. Ben atmete innerlich auf. Zwei Wochen also würde er mehr oder weniger abgemeldet sein. Nun, nicht gänzlich, allerdings würde er Julia nur noch als Animateur dienen, damit sie auf Touren kam, während ihr Primärpartner Andreas und ein anderer Mann aus Julias Umfeld für das Hauptprogramm zuständig waren. Wahrscheinlich suchte sie sich einen der Werker aus den unteren Silos aus, jemanden, der richtig anpacken konnte – und zustoßen. Vielleicht sogar einen seiner Untergebenen. Ben hatte noch nie richtig verstanden, warum nicht wenige Frauen diese Pillen schluckten. Ihm genügte seine Primärpartnerin Lisa und eben Julia als Sekundäre voll und ganz. Regelmäßig für zwei Wochen noch eine dritte Frau hinzuzunehmen hätte er nicht verkraftet.
Viele wohlhabende Männer taten dies allerdings auch, und das gleich mit vier oder fünf Frauen – allerdings künstlichen. Was in diesen Leuten vorging, war Ben schleierhaft.
„Wie läufts im Silo?“, fragte sie, bereits wieder in Unterwäsche und prüfend vor ihrem Kleiderschrank stehend.
Er zuckte die Schultern. „Ich leite jetzt eine neue Abteilung. Fungus- Holowürfelpräpositionierung. Das gesamte Institut für Technikzukünfte arbeitet an dieser Sache.“
„Was ist das denn, meine Güte?“ Julia entschied sich für ein schwarzes, knielanges Kleid mit gelben Sprenkeln und enger Taillierung. Der Ausschnitt ließ der Phantasie nicht mehr allzu viel Spielraum, doch um Phantasie ging es schließlich auch nicht, sondern um das Schwelgen in der Realität.
„Tja, wie fasse ich das zusammen“, überlegte Ben. Er zog sich nebenbei Hose und Shirt an. Duschen würde er heute Abend, ganz entspannt zuhause in seiner eigenen Wohnung. „Wir präparieren eigens angelegte Räume, also nicht Zimmer, sondern physikalische Räume, in denen wir zweidimensionale Pilze per Holografie in die dritte Dimension verfrachten. Alles natürlich zum Anfassen, versteht sich.“
„Versteht sich“, lachte Julia und wirbelte um ihn herum durch ihre kleine Wohnung, suchte hier etwas heraus und fischte da etwas aus den Schubladen.
Ben betrachtete sich im großen Spiegel, der in Julias Schlafzimmer stand. Sein Bart konnte eine Stutzung vertragen, ansonsten gefiel ihm, was er sah. Hochgewachsen, breite Schultern, flacher Bauch. Sogar seine Muskeln dort waren gut sichtbar, wenn er das Shirt hochzog. Nicht selbstverständlich. Seine großen, grauen Augen wirkten dezent angestrengt. Aber schließlich arbeitete er auch den ganzen Tag.
„Jedenfalls“, erklärte er weiter, „soll so Schritt für Schritt unsere doch mittlerweile arg zusammengeschrumpfte, übriggebliebene Lebenswelt, ähm, sparsamer gestaltet werden, indem wir sie komplett zweidimensional neu aufzäumen. Alles soll also zweidimensional sein, und erst, wenn wir mit etwas interagieren, wird es dreidimensional, dies jedoch in eben jenem eigens präparierten, vierdimensionalen Raum, der den zweidimensionalen Raum nicht berührt. Zum Beispiel: Die bei der Interaktion mit einem zweidimensionalen Haus ausgelöste Aufblähung des Hauses in die dritte Dimension wird sofort in einen separaten, vierdimensionalen Raum verlagert, damit die zweidimensionalen Nachbarshäuser nicht tangiert werden.“ Ihm entfuhr unwillkürlich ein Kichern. „Wir werden also irgendwann nur noch so etwas wie Karteikarten sein.“
Julias Lippenstift färbte ihre weichen, zarten Lippen blutrot. Ihr Haar fiel ihr in Wellen über den Rücken. Sie sah fabelhaft aus.
„Und meinst du, das wird auf absehbare Zeit gelingen?“, fragte sie, die Lippen geschürzt, die Augen gleichzeitig suchend durch die Wohnung schweifend und in weiter Ferne verharrend.
„Schwer zu sagen“, meinte er säuerlich. Sie hörte ihm ohnehin nicht richtig zu, weil sie sich für solche Dinge nicht im Entferntesten interessierte. „Bestimmt nicht in den nächsten zwei oder drei Jahren. Eher in fünfzig Jahren. Aber das Potenzial ist…unglaublich. Eigentlich gibt es kein Wort dafür.“
Julia schaute ihn schelmisch an. „Nun ja“, meinte sie. „Wenn ich das vorher gewusst hätte, dann hättest du mir einen deiner schwitzenden Siloarbeiter aussuchen können, für die kommenden zwei Wochen! Aber vielleicht ist es ja sogar zufällig jemand aus deiner Arbeitsgruppe. Das würde mir gefallen!“
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Die Nachtlaube war zu dieser Abendstunde gut besucht. Dutzende Gäste saßen an den dunklen Tischen im in mehrere Bereiche eingeteilten Hauptraum, oben auf der Galerie und auch draußen an den steinernen, aus der Wand geschlagenen Halbtischen, die überdacht von einem Moosüberhang waren und an denen Gäste wie in einem halb offenen Gewächshaus saßen. Ganz gleich, wo sich die Leute hinsetzten, sahen sie auf die verschwenderischen Wasserspiele vor dem Gebäude, in warmes Licht getaucht von den umherwandernden Scheinwerfen auf den Dächern der umliegenden Hochhäuser. Ben bahnte sich einen Weg durch die Schlange stehenden Leute an der Kuchenausgabe neben der Bar und steuerte auf einen seiner Lieblingsplätze am Fenster zu. Der Sitzbereich wurde von einem komplizierten, saftig grünen Rankenungetüm überdacht, dessen Arme von der Decke hingen und eine dezente Dschungelatmosphäre erzeugten. Dort konnte Ben auch hinunter auf die Flaniermeile sehen, die vorbeiziehenden Menschen beobachten und sich im Anblick der Wasserspiele verlieren, während er seinen Gedanken nachhing. Ein Pärchen saß direkt neben Ben, die beiden kamen ihm etwas aufgelöst vor, sie schauten mit scheuen Blicken umher und sprachen kein Wort miteinander. Ben setzte seine Aktentasche ab und nahm seine handschriftlichen Notizen heraus. Dann legte er sein Fenster an den Rand des Tisches, wo es sich auseinanderfaltete und mit einem leichten Summen ansprang. Der Bildschirm stimmte seine Helligkeit automatisch mit den Lichtverhältnissen in der Nachtlaube ab, in der gedimmtes, gelbes Licht vorherrschte. Am unteren Rand des Fensters öffneten sich einige Nachrichten, eine von Professor Dr. Gastor, mit dem Vorschlag eines neuen Termins zur Besprechung des Themas von Bens Masterthesis. Also war er doch interessiert.
„Hey, Ben, wie lief es?“, sagte plötzlich eine Stimme über ihm. Jemand drückte einmal kräftig seine Schulter zur Begrüßung – und dieser jemand war Ahmed Morn, Bens Freund und Bruder im Geiste. Mit ihm setzte sich Jasmin Norghal an den Tisch. Sie lächelte Ben still an und zwinkerte ihm einmal kurz zu. Mit beiden verstand Ben sich blendend, so unterschiedlich sie auch waren. Ahmed war groß, kräftig und trug einen perfekt gestutzten, schwarzen Bart, der bis hinauf zu den Ohren wuchs und dabei auf keinem Zentimeter seine Eleganz einbüßte. Mit seinem aufgeknöpften Hemd, der hellen Stoffhose und seinen hellblauen, großen Augen kam er trotz seiner trainierten Statur leicht und luftig rüber, als ob ein Windstoß ihn rasch wieder hinweg tragen mochte, wenn ihm danach war. Ahmed verbrachte die meiste Zeit seines Lebens in der Zone Rot, weit im Osten des Kontinents. Jedes Jahr kam er für drei Monate zurück in Zone Blau, wo sich der Städtebund Ornliehm zwischen den Bergketten des so genannten Alps, einem gigantischen Gebirge im Süden, und dem endlosen Morast der nördlichen Wildzone befand. Zone Rot war ein Niemandsland, eine karge Ödnis, doch Ahmeds Firma Feinschmirgel sammelte dort seit Jahren Proben, als ob es sich um einen anderen Planeten handelte. Ahmed arbeitete gemeinsam mit anderen in der Firma an einem Schmerzverteilungsfeldgenerator, dessen Fertigstellung und Einsatzbereitschaft das menschliche Leben wohl wieder einmal revolutionieren würde. Im Grunde war es ganz einfach, so behauptete Ahmed. Alle Existenz bestand aus Information, erzählte er jeder Person, die so kühn war, danach zu fragen, was er da denn erforschte, und so setzten sich auch die Menschen aus dem quantenphysikalischen Grundbaustein Information zusammen. Dieses Informationsfeld sollte vom Schmerzverteilungsgenerator per Quantenverschränkung in Echtzeit überwacht werden. Sollte nun ein Mensch irgendwo im Städtebund eine Verletzung erleiden und extreme Schmerzen erleiden, beispielsweise bei einem Unfall, einer Vergewaltigung, einem Beinbruch, ja sogar während des Todeskampfes, so griff der Schmerzverteilungsgenerator sofort per Quantenteleportation zu und verteilte die Schmerzen gleichmäßig auf alle Bewohnerinnen und Bewohner, fächerte den empfundenen Schmerz also auf. Ein flächendeckendes, für alle Personen instant verfügbares Schmerzmittel sozusagen. Ben war begeistert von Ahmeds Forschung, die scheinbar mit den Proben aus der Zone Rot in engem Zusammenhang stand. Ahmed hatte weder eine Primär- noch eine Sekundärpartnerin, er frönte nicht den Transzendenzseminaren oder den unzähligen Sexangeboten, die auch die dunkelsten Triebe der Menschen befriedigen konnten. Er begnügte sich damit, seiner Arbeit im Labor und in der Zone Rot nachzugehen und auf ein bestimmtes, offenbar nur sehr schwer greifbares Ziel hinzuarbeiten, das mit der Raffinierung der Informationen in den gesammelten Energie – und Materieproben aus Zone Rot zu tun hatte. Aber welche Arbeit war heutzutage nicht so komplex, dass sie für Außenstehende einem Ausflug in die diffusen Wirklichkeiten der Phantastik glich?
Jasmin Norghal hatte ein sanftes Gemüt, ihre Augen schienen Ben stets eine Art Melancholie zu transportieren, die über das Irdische hinausreichte. Aber vielleicht bildete er sich das auch nur ein, da Jasmin in einem der drei Euthanasiezentren des Städtebundes arbeitete, im Garten Eden. Und dort musste das Überirdische geradezu greifbar sein, wie Ben meinte.
Er zog eine Grimasse. „Wie es lief“, wiederholte er nachdenklich und schaute Ahmed an. „Professor Gastor war nicht so begeistern von meinem Thema.“
Ahmed lachte. „Wundert es dich? Du kritisierst das Grundsozialgefüge, und darauf fußt schließlich deren gesamte Gesellschaft, nicht wahr?“
„Unsere Gesellschaft“, sagte Jasmin mit dezent tadelndem Unterton.
„Na, lass mich da raus.“ Ahmed rümpfte die Nase und schaute sich in der Nachtlaube um. Überall saßen bunt zusammengewürfelte Leute, aber dennoch ließen sich bei genauerer Betrachtung Muster erkennen. Saß eine einzelne Frau an einem Tisch, wurde sie von zwei Männern flankiert. Ein einzelner Mann dagegen saß in der Regel mit einer Frau zusammen. Daneben gab es natürlich gemischte Gruppen, oder Gruppen, die ausschließlich aus Frauen bestanden, die allerdings allesamt das fünfzigste Lebensjahr überschritten hatten.
„Ich weiß nicht, was du daran kritisieren willst“, meinte Jasmin. Sie nippte leicht an ihrem Glas, in dem ein eisgekühlter Cappuccino dampfte. Ben spürte die Eiseskälte sogar in seinem eigenen Mund und schauderte kurz.
„So funktioniert alles einfach besser“, führte Jasmin aus. „Seit bald 80 Jahren. Steht nicht die Feier zum 80jährigen Jubiläum des GSG an?“
„Kritikwürdig ist fast alles“, antwortete Ahmed. „Ich weiß, du bist davon überzeugt, was du tust, aber eine auf diese Weise organisierte Aussortierung wird in meinen Augen immer merkwürdig bleiben. Ich könnte auch abstoßend sagen. Wer sich ein bisschen für Geschichte interessiert, wird erkennen, dass es so etwas noch nie zuvor gab.“
„Nur weil es etwas noch niemals gab, heißt das nicht, dass es schlecht ist“, meinte Jasmin. „Und manche Veränderungen sind einfach notwendig, wenn wir unsere Art zu leben erhalten wollen.“
„Das ist der springende Punkt, wie du weißt“, seufzte Ahmed. „Unsere Art zu leben. Das ist nicht meine Vorstellung von leben…“
Während Jasmin und Ahmed sich wieder einmal in ihre fruchtlose Diskussion verstrickt hatten, fiel Bens Blick noch einmal auf das Pärchen am Nebentisch. Ein Mann hatte sich zu ihnen gesetzt, offenbar ein Journalist, wie Ben mit geschultem Blick erkannte.
„Gabriel Fink“, hörte Ben den Mann sagen. „Ich schreibe für die Lange Nacht. Carmen und Nathan Wagner?“
Ben horchte auf. Wie war das? Die beiden hatten ein und denselben Namen? Entgeistert drehte er seinen Kopf vollends und betrachtete das Paar. Er war mittelgroß, blondes, an den Seiten kurz anliegendes Haar, das ihm von oben ein wenig ins Gesicht hing, blaue Augen, weder groß noch klein, gebräuntes Gesicht. sportliche Statur, aber nicht unbedingt ein Athlet, wie Ben meinte. Er trug ein schwarzes, grobes Hemd und eine helle Stoffhose, darunter dunkle Stiefel. Ein im wahrsten Sinne des Wortes durchschnittlicher Typ. Bens Augen wanderten zu Carmen Wagner. Sie hatte helle Haut, beinahe weiß, mit einem feinen Schimmer belegt. Ben hatte in seinem Leben noch nie eine Frau mit so heller Haut gesehen. Ihr Haar war glatt und dunkel, fast schwarz, es war seidig und leicht, und es floss ihr über die Schultern bis in ihr schneeweißes Dekolleté. In den Tiefen ihrer mandelförmigen, dunklen Augen erkannte Ben einen leichten Glanz, der es ihm schwer machte, den Blick von ihr abzuwenden. Ihr blassrosa Mund war geschwungen und das Gesicht feinsinnig geschnitten, mit kleinen Ohren und einem weichen, kaum vorhandenen Kinn. Ben hätte später nicht sagen können, was Carmen an diesem Abend angehabt hatte. Er riss seinen Blick von ihr los und starrte auf sein Fenster, auf dem träge die Nachrichten über den Bildschirm liefen.
Die beiden kamen aus der Grünen Zone, es konnte nicht anders sein.
„Guten Abend, Herr Fink“, sagte die Frau mit zurückhaltender, samtiger Stimme. Ben durchlief unwillkürlich ein Schauer.
„Hallo“, meinte der Mann unschlüssig und rutschte unruhig auf seinem gepolsterten Sessel hin und her.
„Nun, ich freue mich, dass Sie sich die Zeit für mich genommen haben“, sagte Gabriel Fink mit breitem Lächeln. Er hatte bereits sein Fenster auf den Tisch gestellt und wischte auf dem Bildschirm herum. „Ich nehme an, Sie haben nichts dagegen, wenn ich unser kleines Interview aufnehme?“
Ben tippte nachdenklich auf sein eigenes Fenster, wischte einige Seiten durch und öffnete dann seine Masterthesis. Er konnte sich kaum ein Gespräch mit einem Paar aus der Grünen Zone entgehen lassen. Einem monogamen Paar! Für seine Masterthesis würden solcherlei Erfahrungsberichte aus einer anderen Zone den Erkenntnisgewinn in ungeahnte Höhen treiben. Ihn interessierte natürlich auch, warum die beiden hier waren. Die Reise musste entbehrungsreich gewesen sein, wenn der technologische Zustand der Grünen Zone tatsächlich so war, wie die offiziellen Berichte ihn darstellten. Nervös wagte Ben einen weiteren Blick in Richtung des an diesem Ort so außergewöhnlichen Pärchens. Carmen schaute ihn unvermittelt an, ihre Blicke trafen sich direkt und Ben war, als ob sich in diesem Moment eine Glut tief in ihrem Körper entzündet hätte und nun bis hinauf in ihre Augen gestiegen war. Der Ausdruck in Carmens dunklen Augen fesselte ihn, ließ seine Muskeln verkrampfen und seinen Mund zur Wüste werden.
Es war Hunger, dachte Ben. Ein ungestillter Hunger. Er kannte schwächere Versionen dieses Blicks, das Begehren, die Suche nach Befriedigung, Zerstreuung, Ablenkung, fast schon einer Sucht gleich. Aber in Carmens Augen loderte eine derartige Lust, ein derartig forderndes Verlangen, das Ben nur ein passender Begriff durch den Kopf schoss. Es war Gier.
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Schon als er die Tür aufschloss, hörte Ben laute, glitschig-nasse Geräusche und ein regelmäßiges, hartes Aufeinanderprallen zweier Körper. Bens Lippen formten gewohnheitsmäßig ein Lächeln, als er ins Wohnzimmer trat und Lisa stehend vor dem Sofa sah. Sie ließ sich stöhnend von Dorian nehmen, der hinter ihr stand und die Augen auf ihren Hintern und ihre über den Rücken fallende, blonde Haarpracht gerichtet hatte. Er war völlig konzentriert und nahm nichts Anderes wahr. Lisas ganzer Körper schien den Raum einzunehmen, ihre gesamte Weiblichkeit war vollständig entblößt und hingegeben – ihre nackte Haut, die langen Beine, der geschwungene Oberkörper, ihre von Gänsehaut überzogenen Brüste mit hart hervorstehenden Nippeln und ihr schönes Gesicht mit den langen, nun aber verschwitzten Haaren. Ihre schmalen, runden Arme hatte Dorian nach hinten gezogen, sodass sie wie gefesselt wirkte. Lisas Beine zitterten leicht und ihre vollen Brüste wackelten heftig hin und her, während ihr Körper von Dorians schnellen Stößen durchgerüttelt wurde. Lisas Blick war glasig, sie wirkte vertieft in ihre Gefühlswelt, die mit Dorians verbunden war und natürlich vor allem dadurch, dass er seinen großen, schwarz glänzenden Schwanz immer wieder tief in sie rammte. Die beiden waren in ihrem Liebesspiel an Ästhetik nicht zu übertreffen, Lisas weiße Haut, ihr üppiger Körper, der unter den hämmernden Stößen des muskulösen, dunkelhäutigen Dorian in ekstatische und hypnotische Bewegungen versetzt wurde. Diesem Zusammenspiel von Hell und Dunkel konnte sich kaum jemand entziehen. Dorian nahm Lisa jetzt hoch, seine Pranken umklammerten ihre Schenkel, während sie gewissermaßen auf seinen Armen saß. Ihre eigenen Arme hatte sie rückwärts um Dorians Hals und Kopf geschlungen. Sein strammer, in Bens Augen lächerlich großer, dunkler Schwanz fuhr von unten in Lisas Vagina. Ben sah zu, wie Dorians Gemächt bis tief in Lisas Körper stieß und ihm war, als ob der riesige Schwanz bis hinauf in Lisas Körpermitte drang. Sie grunzte und stöhnte und schrie mitunter verzweifelt, ihrem Gönner und Peiniger völlig ausgeliefert. Ben starrte Dorians schwarzen, dicken Speer an, doppelt so groß wie Bens eigener Schwanz, und doch versank dieses von kräftigen Adern durchzogene Gemächt voll und ganz in Lisas Loch, ja, Dorian rammte sich ungehemmt in Bens Lebensgefährtin hinein, begleitet von nassen, glitschigen Geräuschen. Ben hatte sich oft gefragt, wie Dorians Schwanz überhaupt in Lisas Vagina hineinpassen konnte, aber jetzt, in diesem Augenblick, wurde er zum ersten Mal Zeuge davon. Während Ben seine Primärpartnerin so mit klopfendem Herzen betrachtete, spürte er, dass er in dieser Situation in keinem einzigen Aspekt Anteil an Lisas Seele hatte. Er war völlig von ihr ausgeschlossen, genauso gut hätte er für sie tot sein können. Fast hätte er wie ein Ertrinkender nach Luft geschnappt, als er diese innere Vernichtung fühlte, wie sie ihn aushöhlte und wie sein Körper nach Kompensation und Ablenkung schrie.
„Ich muss nur kurz was holen“, murmelte Ben und ging mechanisch zum Schreibtisch in der Ecke. Er kramte mit fahrigen Bewegungen die schwarze Mappe mit einem Entwurf für seine Arbeit im Silo hervor, während hinter ihm das Stöhnen immer lauter wurde. Langsam und mit klopfendem Herzen drehte er sich um und ging zurück zur Tür. Lisa hatte eine Hand auf ihre Klitoris gelegt, und Ben wusste, was das bedeutete. Hilflos und wie paralysiert schaute er zu, wie ihr Dekolleté sich rötlich verfärbte, überall bildeten sich Sprenkel auf der hellen Haut, als sich Lisas durch Dorians Macht ausgelöste Freude in ihrem ganzen Körper ausbreitete. Ihre Oberschenkel zitterten unkontrolliert, gehalten von Dorians kräftigen Händen. Sie stöhnte und ächzte lauthals, völlig in ihrer privaten Welt der Lust mit Dorian aufgegangen. Sein ädriger, dunkler Schwanz fuhr immer schneller in Lisas Körper, presste Flüssigkeit aus ihr heraus, die an ihren Schenkeln herablief und auf den Boden tropfte. Das heftige Aufeinanderklatschen der beiden Körper war so unglaublich laut, dass es noch unten auf der Straße deutlich zu hören sein musste. Schließlich sah Ben, wie die kräftigen Adern an Dorians Gemächt zu kontrahieren begannen, als er Welle um Welle seines Spermas in Bens Lebensgefährtin spritzte. Und gerade, als Dorian sich grunzend in Lisa ergoss, explodierte auch sie in einem stürmischen Orgasmus, der ihr Gesicht in eine wunderschöne Blume verwandelte, deren Blüte Bens Inneres jedoch binnen Lidschlägen verwelken ließ. Plötzlich stieg Übelkeit in ihm herauf und er stürzte hinaus, schlug die Tür hinter sich zu und hetzte ins Badezimmer. Gerade noch rechtzeitig bekam er den Klodeckel hoch, um sich schwallartig zu erbrechen.